Pfefferspray – das kann doch nur nach hinten losgehen! Oder?

Aktualisiert: 17. Nov 2018

"Am Ende wirkt das doch gar nicht und der ist nur noch aggressiver"..."Ich hab das doch nicht immer griffbereit!"..."Das darf man doch gar nicht anwenden"... Pfefferspray ist ein beliebtes und gleichermaßen umstrittenes Mittel zur Selbstverteidigung. Vertrauen und Skepsis – beides hat seine Berechtigung. Sollte ich mir also eins zulegen?


Neulich hörte ich am Mehringdamm eine alte Frau die weisen Worte sagen „Currywurst mit Darm ist nicht gleich Currywurst ohne Darm“. Das gilt auch für Pfeffersprays: die enthalten zwar weder Curry, noch Pfeffer, aber dafür Chili-Extrakt. Pfefferspray ist lediglich ein Übersetzungsfehler aus dem Englischen, wo pepper auch Chili heißt.

Und wer glaubt, er könne ein Pfefferspray wegstecken, weil er seinen Döner immer extra-scharf nimmt: Tabasco hat eine Schärfe von ca. 3.700 SCH (Scoville Heat Units). Hipster-Chili-Saucen mit Namen wie Vicious Viper, Reaper Sling Blade oder – mein Favorit – Spontaneous Defecation haben einen Schärfegrad um die 150.000 SCH. Man reibe sich das mal ins Auge! Ach ja – Pfefferspray hat 2.5 Millionen SCH und mehr. So viel dazu.


Oft werde ich gefragt, welches denn das „richtige“ Pfefferspray sei. Nun ja, das Wichtigste beim Pfefferspray ist zunächst einmal, dass es auch tatsächlich ein Pfefferspray ist. Viele vertun sich nämlich schon von vornherein und kaufen Tränengas. Aber was ist der Unterschied?


Tränengas oder Pfefferspray? Ein paar technische Details


Tränengas, auch 2-Chlorbenzylidenmalonsäuredinitril oder CS-Gas genannt, darf in Deutschland zur Verteidigung, nicht nur gegen Tiere, sondern auch gegen Menschen eingesetzt werden. Das kann man ganz schön am 1. Mai beobachten, wenn Polizisten in Kreuzberg damit gegen Krawallmacher vorgehen. Die Wirkung ist, im Vergleich zu Pfefferspray, harmlos: das CS-Gas ruft bei Kontakt mit dem Auge Schmerzen hervor, fördert den Tränenfluss und nimmt dem Aggressor damit vorübergehend die Sehfähigkeit.

Da CS-Gas ausschließlich über das Schmerzzentrum wirkt, kann es von Personen mit gehemmtem Schmerzempfinden ignoriert werden. Dies ist besonders bei Menschen unter dem Einfluss von Alkohol, stimulierenden Drogen oder schlicht bei einem stark angestiegenen Adrenalinspiegel der Fall.

Weitaus aggressiver und komplexer hingegen wirkt herkömmliches Pfefferspray, welches auch als OC-Spray bekannt ist. OC steht für Oleorosin (Harzöl) Capsicum (Pflanzengattung Paprika/Chili) – ein wahres Naturprodukt! Dieser fiese Reizstoff wirkt nicht nur auf die Tränendrüsen, sondern auf alle Schleimhäute sowie auf die Atemwege.


Aber wenn ich das benutze, kriege ich doch eine Anzeige wegen Körperverletzung!


Ganz recht – wer Pfefferspray gegen einen Menschen einsetzt, der keine drastische und akute Gefahr für einen selbst oder andere darstellt, macht sich der Körperverletzung strafbar. Völlig zurecht. Kann ich deshalb Pfefferspray nicht zur Notwehr einsetzen? Doch, du kannst. Entscheidend ist hier die konkrete Situation, in der das Spray zum Einsatz kommt, sowie die grundlegenden rechtlichen Rahmenbedingungen. Alles zur Gesetzeslage beim Erwerb und Einsatz von Pfefferspray kannst – und solltest – du hier lesen.


Aber wenn Wind weht, geht das doch nach hinten los!


Die meisten Sprays, die man als ersten Hit bei Amazon, beim Schlüsseldienst um die Ecke, oder manchmal sogar bei Rossmann bekommt, sind sogenannte Nebel-Sprays (Fog). Damit können wir eine große Fläche in kurzer Zeit mit dem Reizstoff kontaminieren und somit eine Wand aus Ungemütlichkeit zwischen uns und den Angreifer bringen.


Wer schon mal draußen war weiß jedoch: ein kleines Lüftchen geht immer. Und das reicht in der Regel schon, um den Sprühnebel abzulenken oder uns direkt ins eigene Gesicht zu blasen. Daher sei hier zu einem tatsächlichen Spray oder Gel geraten. Diese sind vergleichsweise windbeständig und haben eine gute Reichweite. Hiermit muss man zwar etwas mehr zielen, trifft dafür aber auch den, der es verdient hat.

Mit dem richtigen Spray wird der Augapfel zum Bratapfel

Pfefferspray ist keine Raketenwissenschaft. Aber auch kein Kinderspiel.


Wie bei allen Waffen zur Selbstverteidigung, gilt auch beim Pfefferspray: „learning by doing“ – der Praxistest sollte dringlichst schon vor dem Ernstfall durchgeführt werden. Die Bedienung ist gewiss kein Hexenwerk; um uns jedoch effektiv zu verteidigen, müssen wir…

  • die Gefahr richtig einschätzen,

  • deutlich eine Grenze aufzeigen, die nicht überschritten werden darf,

  • uns akkurat positionieren und bewegen,

  • die richtige Distanz halten,

  • die Attacke zielgerichtet durchführen,

  • uns auf keinen Fall entwaffnen lassen,

  • mit weiteren Techniken nachsetzen,

  • Hilfe holen

Allein einen dieser Schritte auslzulassen, kann die Situation weitaus gefährlicher machen. Wer im Ernstfall souverän handeln will, muss sich zuvor mit der Materie auseinandergesetzt haben. Ein Pfefferspray für den Fall der Fälle dabei zu haben, kann schon allein auf psychologischer Ebene hilfreich sein. Wer den Ablauf jedoch noch nie aktiv durchgespielt hat, läuft Gefahr, im Ernstfall aus Mangel an Vertrautheit zu zögern und keinen Gebrauch davon zu machen.

Deshalb bieten wir in unseren Kursen Szenarien-Trainings an, in denen du lernst mit dem Pfefferspray (und vielen anderen Selbstverteidigungswaffen) effektiv und gekonnt umzugehen. Da wir das ganze am lebenden Objekt üben (beispielsweise an mir) benutzen wir dazu Übungssprays ohne aggressive Reizstoffe.


Pfefferspray, sofern richtig angewandt, ruft beim Angreifer extreme Schmerzen hervor und nimmt ihm vorübergehend die Sehfähigkeit. Angreifen wie ein wilder Stier, kann er uns trotzdem im Zweifelsfall noch. In unseren Kursen zeigen wir, wie wir effektiv mit weiteren Techniken nachsetzen, ohne dabei in die „Schussbahn“ des Angreifers zu geraten.


Für bestimmte Situationen und Angreifer stellen Selbstverteidigungswaffen ein wichtiges Hilfsmittel dar. Ein realitätsnahes System zur Selbstverteidigung umfasst jedoch alle möglichen Techniken und Methoden der Selbstbehauptung und Selbstverteidigung. Deshalb werden bei ActiveDefense, in einem ganzheitlichen Ansatz, drei Bereiche unterrichtet:

  • Selbstbehauptung (Deeskalation, Konfliktbewältigung, strategisches Verhalten)

  • Selbstverteidigung (tatsächlich anwendbare Nahkampftechniken)

  • Waffengebrauch (Einsatz von Hilfsmitteln zur Selbstverteidigung)

Sich also ganz auf ein Pfefferspray (oder eine andere Waffe zur Selbstverteidigung) zu verlassen, ist keine sehr ausgefeilte Strategie. Vielmehr sollten wir Selbstverteidigungswaffen als zusätzliches Hilfsmittel für drastische Gefahrensituationen sehen.

Am besten bedient ist also, wer sein Mundwerk und seine Hände zur Waffe macht. Die können wir zumindest nicht im Handschuhfach vergessen.

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