Pfefferspray: Notwehr oder Körperverletzung? Ein Blick ins Gesetzbuch

Aktualisiert: 17. Nov 2018

Wer Pfefferspray gegen einen Menschen einsetzt, der keine drastische und akute Gefahr für einen selbst oder andere darstellt, macht sich strafbar. Völlig zurecht. Aber bedeutet das, ich darf mich damit nicht gegen einen Vergewaltiger schützen?


Pfeffersprays dürfen, im Gegensatz zu Tränengas, in Deutschland nicht gegen Menschen eingesetzt werden. Mehr zu den Unterschieden und Besonderheiten der beiden Mittel gibt’s hier zu lesen.

Pfeffersprays, die im deutschen Handel verkauft und erworben werden, müssen als Tierabwehrspray gekennzeichnet sein. Dieser Aspekt wird sehr ernst genommen: Ist der Hinweis bspw. durch Abnutzung verkratzt und nicht mehr erkennbar, stellt das Pfefferspray eine Waffe dar und darf nicht ohne Weiteres mitgeführt werden. Mit der Kennzeichnung allerdings, werden Pfeffersprays in Deutschland nicht als Waffe klassifiziert und unterliegen dementsprechend nicht dem Waffengesetz. Es darf folglich völlig legal erworben und mitgeführt werden – sogar von Jugendlichen.


Wer von der Polizei bei einer Kontrolle nach dem „Bereithaltegrund“ für das Pfefferspray gefragt wird, sollte unter keinen Umständen antworten mit „ich hab das dabei, falls irgendein Arschloch mich überfallen will“. Der offizielle Grund, ein Pfefferspray dabei zu haben muss stets die Verteidigung gegen aggressive Tiere sein. In unserer Umwelt dürfte sich dies auf Hunde und vielleicht noch die ein oder andere Krähe beschränken.


An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass ich kein Jurist bin, und meine Ausführungen lediglich auf meinen Erfahrungen und Gesprächen mit Polizisten, Anwälten und Nutzern beruhen.


Also kann ich Pfefferspray gar nicht einsetzen, um mich vor bösen Menschen zu schützen?


Doch. Du kannst. Gegebenenfalls. Wie so oft gilt: der Zweck heiligt die Mittel. In einer akuten Notwehrsituation darfst du so einiges, was unter anderen Umständen eine Straftat wäre. Du kannst dich in einer Notwehrsituation auch mit einem Messer oder einem Lötkolben wehren – nur wird es einem Richter hier bei der Anhörung schwerfallen zu glauben, dass du tatsächlich die gefährdete Person in dem Konflikt warst.

„Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig“ (§32 I StGB)

Wann also handeln wir aus Notwehr? Das Strafgesetzbuch definiert Notwehr als die „Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden“ (§32 II StGB).

Mit dem Zusatz „von einem anderen“ ist auch die Nothilfe eingeschlossen. Wer sich also in einer konkreten physischen Bedrohung gegen einen Angreifer mit Pfefferspray verteidigt, oder anderen zu Hilfe kommt, handelt nicht rechtswidrig.


Aber was ist, wenn ich aus Panik „zu früh“ abdrücke?


Auch eine eventuelle „Überreaktion“ muss nicht gleich zur Strafbarkeit führen. Die Überschreitung der Notwehr ist durch den sogenannten „Notwehrexzess“ im Strafgesetzbuch zugunsten des/der Schwächeren geregelt:

„Überschreitet der Täter die Grenzen der Notwehr aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken, so wird er nicht bestraft“ (§33 StGB).

Entscheidend ist hier der sogenannte „asthenische Affekt“: Nur wer aus Schwäche heraus überreagiert, wird nicht bestraft. Verwirrung, Furcht und Schrecken sind in diesem Sinne Zustände der Schwäche; Wut, Hass und Aggression hingegen nicht.


Das Ganze nochmal auf einen Blick:

  • Pfefferspray ist in Deutschland nur zum Schutz gegen aggressive Tiere erlaubt.

  • Es muss dementsprechend als „Tierabwehrspray“ gekennzeichnet sein.

  • Aus Notwehr oder Nothilfe dürfen wir uns und andere jedoch damit auch gegen Menschen schützen.

  • Notwehr ist die „Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden“ (§32 II StGB).

  • Wer nachweislich aus Furcht, Verwirrung oder Schrecken überreagiert, und ein Pfefferspray einsetzt, ohne dass ein klarer rechtswidriger Angriff vorliegt, handelt rechtswidrig aber in der Regel straffrei.

Pfefferspray darf in Deutschland nur gegen gefährliche, attackierende Tiere eingesetzt werden

Du überlegst, dir ein Pfefferspray für deinen Schutz zuzulegen? Für einen sicheren Gebrauch solltest du dich unbedingt vorher mit der Wirkungsweise und der Anwendung vertraut machen! Dies kannst du in einem unserer Kurse tun, oder hier weiterlesen.


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